1010 Wien, Schönlaterngasse


Eigenes Projekt abgesegnet – Architekt steht vor Gericht

Der Skandal-Dachausbau im Jahr 2007. Foto: kienzl
Der Skandal-Dachausbau im Jahr 2007. Foto: kienzl
Von Christian Mayr

Aufzählung Bauskandal in der Schönlaterngasse führte zu Amtsmissbrauch-Anklage.

Wien.
Der von der „Wiener Zeitung“ im Herbst 2007 aufgedeckte Bauskandal in der Schönlaterngasse hatte am Donnerstag ein Nachspiel vor Gericht: Der Generalplaner des viergeschoßigen Dachausbaus in der Innenstadt musste sich im Straflandesgericht wegen Amtsmissbrauchs verantworten. Der prominente Architekt Rudolf R., der einst auch Vize-Chef der Architektenkammer war, hatte das umstrittene Projekt nämlich als Mitglied der städtischen Bauoberbehörde abgesegnet – entsprechende Berufungen gegen das Bauvorhaben wies er persönlich ab.

Für Staatsanwalt Stefan Berger ein klassischer Fall von Amtsmissbrauch: Der Architekt hätte das Unvereinbarkeitsverhältnis anzeigen und im April 2006 unter keinen Umständen an der Sitzung teilnehmen dürfen, in der sich die Bauoberbehörde mit dem überdimensionalen Dachausbau befasste. Verteidiger Herbert Eichenseder pflichtete dem zwar bei, machte jedoch geltend, sein Mandant habe nicht gewusst, dass die Schönlaterngasse auf der Tagesordnung stand, als er in die gegenständliche Sitzung ging. „Die Bauoberbehörde tagt fünf bis siebenmal im Jahr. 50 bis 70, manchmal 90 Akten werden dort behandelt. Er hat eine Woche vorher tausende Seiten erhalten und ist davon ausgegangen, dass dort nur nicht ausjudizierte Fälle besprochen werden“, so Eichenseder.

Interessant ist freilich, wie sich R. damals gegenüber der „Wiener Zeitung“ zu dem Vorwurf äußerte: Zunächst erklärte er, er habe sich der Stimme entschlagen und den Raum verlassen; dann revidierte er diese Aussagen und meinte, er hätte damals noch nicht den Auftrag für das Projekt gehabt; als dann Unterlagen auftauchten, die diesen Angaben widersprachen, wollte sich R. nicht mehr dazu äußern. Letztendlich reichte es der Wiener Magistratsdirektion – sie berief ihn von der Bauoberbehörde ab.

Statische Probleme

Abgesehen davon sorgte das Projekt auch faktisch für Aufregung, weil grobe statische Mängel passierten und sogar ein Baustopp verfügt werden musste. Das Restaurant „Hotel Riviera“ im Erdgeschoß musste unfreiwillig schließen, da die Lüftung durch den Bau gekappt wurde – der Betreiber verlangt daher Schadenersatz. Die Bauarbeiten sind übrigens nach wie vor noch nicht abgeschlossen.

Die Verhandlung wurde zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt.

(Wiener Zeitung, 4. März 2011)
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